Neue Leitlinien zur HP-Prüfung ab 22.03.2018

Berufspolitik

 

Neue Leitlinien zur HP-Prüfung  ab 22.03.2018

Am 22. März treten die neuen Leitlinien zur Heilpraktiker-Überprüfung in Kraft. Sie enthalten Richtlinien sowohl für den „großen“ allgemeinen Heilpraktiker als auch für die „kleinen“ sektoralen Zulassungen (z.B. den Heilpraktiker für Psychotherapie).

Der schriftliche Teil der März-Prüfung 2018 ist noch nicht betroffen.

 

Kurze Zusammenfassung:

Im Wesentlichen sind momentan noch keine wirklich einschneidenden Veränderungen erkennbar. Insgesamt erscheinen die „neuen“ Leitlinien im  Vergleich zu den bisherigen fast eher wie eine endlich einigermaßen realistische Beschreibung dessen, was eigentlich schon seit Jahren Gegenstand der Überprüfung und damit auch der Ausbildung ist. Allerdings sind einige Inhalte jetzt explizit neu erwähnt oder mehr als bisher betont (siehe unten). Inwieweit sich dies in der tatsächlichen Prüfungs-Praxis niederschlägt, bleibt abzuwarten.

 

 

Was sich möglicherweise verändert…

„Neue“ oder besonders „betonte“ Inhalte

 

Verbesserter Patientenschutz

Nachdem sich die ganze Diskussion um den Heilpraktiker-Beruf samt seiner mittlerweile schon fast  zum guten Ton gehörenden Verunglimpfung in den Medien immer wieder an den Rechtsverstößen einiger weniger Vertreter unseres Berufsstandes entzündet, ist möglicherweise eine weitere Betonung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu erwarten. Da immer wieder insbesondere verbesserter Patientenschutz gefordert wird, gewinnt neben der bisherigen Gesetzeskunde voraussichtlich ein weiteres Gesetz an Relevanz, sowohl für den „großen“ HP als auch den sektoralen HP für Psychotherapie:

  • Das Patientenrechtegesetz

 

Auffällig betont wird auch die Notwendigkeit der Qualitätssicherung. Ausdrücklich erwähnt werden in diesem Zusammenhang:

  • Dokumentation
  • Praxishygiene
  • Invasive Maßnahmen

Hierzu heißt es: „Die antragstellende Person ist insbesondere dann, wenn der Behandlungsvorschlag die Anwendung invasiver Maßnahmen beinhaltet, in der Lage zu zeigen, dass sie diese Maßnahmen ohne Gefährdung der Patientengesundheit anwenden kann.“

 

Inhaltliche Schwerpunkte (Heilpraktiker)

Leider liefern auch die neuen Leitlinien keinen detaillierten Gegenstandskatalog. Stattdessen werden wieder lediglich die großen Überschriften zu den Lehrinhalten benannt, diese allerdings immerhin sorgfältiger ausformuliert. Wirklich neu ist hiervon nur wenig, auf die eine oder andere Art waren die genannten Themen schon immer Teil der Ausbildung, wenn auch manche nicht so explizit.

Auch bisher schon durchaus relevant, aber erst jetzt ausdrücklich erwähnt werden unter anderem:

  • Schwangerschaftsbeschwerden
  • Pädiatrie
  • Geriatrie
  • Der psychopathologische Befund

(Natürlich schon lange Teil der Prüfung. Die ausdrückliche Erwähnung lässt aber möglicherweise noch detailliertere Kenntnisse der klinischen Psychiatrie erwarten…)

  • Pharmakologie

(Gleichfalls nicht ganz neu. Leider fehlt hier jegliche Angabe zu irgendwelchen Details. Zu welchen Medikamentengruppen und in welcher Tiefe hierzu Kenntnisse erwartet werden, wird mit keinem Wort erläutert. Da von HP-Anwärter/innen aber wohl kaum ein abgeschlossenes Pharmazie-Studium verlangt werden kann, geht es wahrscheinlich wie bisher um Grundkenntnisse der gebräuchlichsten Arzneimittel wie z.B. Antihypertensiva, Antiasthmatika, Schmerzmittel, Immunsuppressiva, Antidepressiva etc. samt ihrer wichtigsten Nebenwirkungen und Kontraindikationen)

 

Auffallend, weil neu erwähnt ist folgender Punkt:

  • Alternative Therapieformen

Die Formulierung hierzu lässt bedauerlicherweise offen, ob und inwieweit künftig auch Therapiemethoden Gegenstand der Prüfung sein werden: „Enthält der Behandlungsvorschlag der antragstellenden Person Maßnahmen, die den alternativen Therapieformen zuzurechnen sind, erklärt sie die vorgeschlagenen Maßnahmen und ist auf Nachfrage in der Lage zu zeigen, dass sie diese ohne Gefährdung der Patientengesundheit anwenden kann.“ Strenggenommen wird also lediglich gefordert, dass jeder ausdrücklich erwähnte Behandlungsvorschlag auf Nachfrage auch erklärt werden kann.

 

 

Inhaltliche Schwerpunkte (sektorale Zulassung, z.B. Heilpraktiker für Psychotherapie)

Hier wird ausdrücklich gefordert, dass insbesondere das Bewusstsein der Antragsteller/innen für die Grenzen ihrer Zuständigkeit zu überprüfen. Das heißt, klar unterscheiden zu können, wozu die sektorale Zulassung berechtigt und wozu nicht. Dies könnte auf noch gründlichere differenzialdiagnostische Kenntnisse hinauslaufen, insbesondere

 

  • Abgrenzung psychischer Störungen gegen differenzialdiagnostisch relevante somatische Erkrankungen
  • Abgrenzung psychischer Störungen, bei denen in erster Linie psychotherapeutische Methoden indiziert sind, gegen solche, die darüber hinaus eine ärztliche bzw. pharmakologische Behandlung erfordern

 

Auch dies ist nicht wirklich neu. Ob damit einhergeht, dass künftig auch somatische Erkrankungen eine größere Rolle spielen, werden die nächsten Prüfungen zeigen…

 

 

Momentan noch keine Veränderung…

 

Bundesweite Regelung

Durch die andauernde Diskussion um den Heilpraktiker-Beruf sieht sich die Bundesregierung veranlasst, „eine Weiterentwicklung der oben genannten Leitlinien vorzuschreiben, die stärker als bisher auf eine bundesweit einheitliche Heilpraktikerüberprüfung abzielt und dabei den Schutz der einzelnen Patientin oder des einzelnen Patienten deutlicher als bisher in den Blick rückt“.

Das heißt de facto, eine Vereinheitlichung der Prüfung auf Bundesebene ist zwar anzustreben aber noch nicht umgesetzt. Bis dahin bleibt die Durchführung bei den „zuständigen Stellen der Länder“, die nach wie vor ergänzende Vorgaben zu den Leitlinien machen können. Also eigentlich alles wie gehabt…

 

Zulassungsbedingungen, Ausbildungsstruktur

Die neuen Leitlinien beinhalten weder eine Veränderung der Zulassungsbedingungen noch eine Reglementierung der Ausbildungsstandards. Es wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass beides dem „Parlamentsvorbehalt“ unterliegt.  Damit ist das Thema zwar vorläufig aber nicht endgültig vom Tisch. Es gilt also, die weitere Entwicklung der Diskussion weiterhin aufmerksam zu verfolgen.

 

Deutschkenntnisse

Auch die im Vorfeld diskutierte Überprüfung angemessener Kenntnisse der deutschen Sprache wurde nicht aufgegriffen.