Hilfe zur Selbsthilfe in der Winterzeit und Erkältungszeit

GLL – Gesundheit Leben Lernen: Hilfe zur Selbsthilfe

 

Winterzeit, Erkältungszeit

 

Prävention ist eine zentrale Aufgabe in der Heilpraktiker-Praxis und damit auch Thema für Ausbildung und Überprüfung. Neben den gebräuchlichsten Methoden gilt es auch, mögliche Gegenanzeigen zu kennen.

 

Eigentlich sollte man es im Winter ja machen wie ein Bär. Rückzug in die gemütliche Höhle, Kälte und Dunkelheit verschlafen, hin und wieder gemächlich zur wohlgefüllten Vorratskammer trotten und sich ein paar leckere Kalorien zuführen.

Stattdessen ist der Terminkalender voll wie eh und je, subjektiv empfunden sogar noch voller. Unser natürliches Ruhebedürfnis missdeuten wir als Leistungsschwäche, wähnen uns womöglich gar dem depressiven Burnout nah. Derweil ist eine gewisse Antriebsminderung jetzt nur natürlich. Der Lichtmangel verschiebt unser hormonelles Gleichgewicht. Das vom Tageslicht abhängige „Wohl-Fühl-Hormon“ Serotonin wird weniger, das „Schlaf-Hormon“ Melatonin mehr produziert.

Auch unser Immunsystem hat schon bessere Tage gesehen. Der Serumspiegel des gleichfalls lichtabhängigen Vitamin-D-Hormons erreicht ungeahnte Tiefstwerte, um die Vitamin-C-Zufuhr steht es nur unwesentlich besser. Das regionale Obst- und Gemüseangebot reduziert sich zunehmend auf winterfeste Apfel-, Kohl- und Rübensorten. Die enthalten, roh verzehrt, zwar reichlich Vitamin C. Aber wer will im Winter schon ständig Rohkost essen?

Die Kälte draußen unterstützt immerhin das klare Denken. Drinnen strapaziert die trockene Heizungsluft die Schleimhäute. Und in der U-Bahn schnieft und hustet irgendwo immer irgendwer…

 

Vorbeugung

Am effektivsten wäre ganz klar die Bärenhöhle. Kein Kontakt mit potentiellen Keimträgern, sprich anderen Menschen, dafür jede Menge Zeit für Ruhe und Regeneration. Leider keine sonderlich realistische Lösung. Was dann?

 

Alltagstaugliche Anregungen für den täglichen Gebrauch…

  • Sinnlos rumsitzen und rumliegen: faul sein wann immer es geht!
  • Dem Wetter trotzen und raus! Die beste Vorbeugung gegen Atemwegs-Infektionen ist Atmen! Lachen! Singen! Und Bewegung an der frischen Luft muss ja nicht immer gleich Sport sein…
  • Raumklima. Keine überheizten Räume. Lieber warm anziehen! Und die Luft ausreichend befeuchten (schon eine Luftfeuchtigkeit unter 50% kann zu Schleimhautreizungen führen). Lüften! Auch und gerade nachts! Optimal für einen erholsamen Schlaf ist eine Raum-Temperatur von maximal 18°C.

 

Den Erregern das Leben schwer machen, das Immunsystem stärken…

  • Trockenbürsten. Mit einer weichen Bürste und kreisenden Bewegungen die Haut von den Extremitäten her in Richtung Herz massieren. Vorsicht: Krampfadern könnten dabei verletzt werden.
  • Kalt-Wasser-Anwendungen. Es muss nicht immer gleich das qualvolle Wechselduschen sein! Kalte Kniegüsse oder Ellbogen-Bäder tun es auch. Wunderbar wäre natürlich Schnee- oder Tautreten. Das ist in der Stadt aber leider oft nur schwer umzusetzen, schon, weil die Hunde meistens vor einem da waren… Wichtig: Nie kalt auf kalt! Vor einer Kalt-Wasser-Anwendung muss der Körperteil darunter warm sein. Und Vorsicht: Kalt-Wasser-Anwendungen können den Blutdruck erhöhen.
  • Sauna. Auch hier geht es vor allem um die Kalt-Anwendungen. Die Wärme versetzt den Körper in ein vorübergehendes künstliches „Fieber“ und unterstützt so wahrscheinlich die Abwehr. Es reicht aber vollkommen, den Körper aufzuheizen, bis er von selbst anfängt, den ersten Schweiß zu produzieren. Aufgüsse machen Spaß, sind aber nicht nötig!

 

Die Darmflora aufbauen…

Auf seinen insgesamt ca 5 Metern Länge ist der Darm rundum mit Lymphfollikeln ausgekleidet. Damit ist er das eigentlich größte und mit Sicherheit unterschätzteste Abwehr-Organ unseres Körpers. Nicht umsonst heißt es: Der Tod lauert im Gedärm! Indem wir unseren Darm und seine Bewohner pflegen, unterstützen wir unser Immunsystem. Antibiotika, zu viel Zucker, Weißmehl und Alkohol schädigen unsere Darmflora. Ihren Wiederaufbau unterstützen wir u.a. durch:

  • Präparate wie z.B. Omniflora oder Symbioflor sind frei verkäuflich und enthalten physiologische Darm-Symbionten.
  • Milchsauer Vergorenes. Unterstützt nicht nur durch die enthaltenen Milchsäure-Bakterien ein gesundes Darm-Milieu, sondern enthält auch viel Vitamin B12.

Vorsicht: Yoghurt, Kefir und Co sollten naturbelassen und ungezuckert sein.  Bei einer Laktoseunverträglichkeit oder Milcheiweiß-Allergie sind Sauerkraut, Sauerkrautsaft, Brottrunk gute Alternativen.

  • Vitamin B12. Ist nicht nur essentiell für Blutbildung und Nervenfunktion, sondern fördert nebenbei auch ein gesundes Gleichgewicht zwischen physiologischen und potentiell pathologischen Darmbewohnern.
  • Bitterdrogen wie Artischocke, Enzian, Tausendgüldenkraut etc. regen die Bildung von Gallensäuren in der Leber und den Gallenfluss in den Gallenwegen an. Abgesehen von dem Alleskönner Curcuma (javanischer Gelbwurz) schmecken sie nicht sonderlich lecker. Aber sie unterstützen die gesunde Darmflora und reduzieren damit pathogene Keime. Nebenbei wirken sie auch noch einer Gallensteinbildung entgegen. Sie sind in Form von Tees, Extrakten oder Tropfen erhältlich. Neben den handelsüblichen Leber-Gallen-Tees bieten die Reformhäuser z.B. das „Gallestier“, die Apotheken z.B. das „Hepatodoron“ an. „Amara-Tropfen“ gibt es u.a. von Weleda oder Pascoe.

Vorsicht: Amara können die Peristaltik der Gallenwege fördern und bei Gallensteinleiden problematisch sein. Die flüssigen Extrakte können Alkohol enthalten.

  • Alle Ballaststoffe haben eine gallenfördernde Wirkung, ganz besonders aber das im Apfel enthaltene Pektin. Also Äpfel, Äpfel, Äpfel!

Vorsicht: Ballaststoffe entfalten ihre positive Wirkung nur mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Sonst können sie zu Verstopfung führen. Und selbst gegen Äpfel, besonders ihre Schalen, gibt es Allergien…

 

Pflanzenheilkunde.

Es gibt etliche Heilkräuter, die traditionell zur Unterstützung des Immunsystems eingesetzt werden. Am häufigsten wahrscheinlich:

  • Echinacea (Sonnenhut)
  • Thuja (Lebensbaum)
  • Baptisia (wilder Indigo, Färberhülse)

Sie sind sowohl als Einzel-Präparat (z.B. „Echinacin“) wie auch in Kombination (z.B. „Esberitox“) verfügbar.

Vorsicht: Der Sonnenhut (Echinacea) gehört zu den Korbblütlern. Er kann heftige, manchmal lebensbedrohliche allergische Reaktionen auslösen, auch als Kombinations-Präparat. (!Kreuzblütler stellen das vielleicht am weitesten verbreitete Allergen im gesamten Pflanzenreich. Dazu gehören viele Arznei-Tees: Kamille, Hufflattich, Löwenzahn, Schafgarbe, Arnika… Etliche Gewürze: Beifuss, Estragon, Kardamom, Wermut… Einige Gemüse: Chicoree, Artischocke, Topinambur, Schwarzwurzel… Die Sonnenblume samt Öl und Kernen… Der Kaffee-Ersatz Zichorie…)

Natürlich gibt es neben diesen ursprünglich aus indianischer Tradition stammenden Heilpflanzen auch ganz alltägliche Einheimische, die das Immunsystem stärken, wie z.B. die Lindenblüte mit ihrer schweißtreibenden Funktion oder die unscheinbare Hagebutte mit ihrem enormen Vitamin-C-Gehalt. Außerdem erwähnenswert:

  • Taigawurzel (Eleutherokokkus senticosus), wegen seiner allgemein stärkenden Wirkung bei Erschöpfungszuständen auch „sibirischer Ginseng“ genannt. Verfügbar z.B. als „Taigutan“, „Taiga-Wurzel-Extrakt“ oder „Eleu-Kokk“

 

Allgemeine Hinweise zur Einnahme immunmodulierender Phytopharmaka:

Das Immunsystem ist ein hochsensibles Gebilde. Wird es zu wenig gefordert, schläft es ein. Wird es zu sehr stimuliert, entwickelt es eine hyperaktive Reizbarkeit.

Beginn: am besten schon vor der Erkältungs-Saison oder bei den ersten akuten Symptomen

Dauer der Einnahme: max. 6-8 Wochen. Sonst wird das Immunsystem womöglich überstimuliert und geht übereifrig gegen eigentlich harmlose Gegner vor. Wodurch allergische Reaktionen verstärkt werden könnten.

Bei bekannten Allergien: vorsichtig einschleichen und beobachten, ob sich schon bekannte allergische Reaktionen verstärkt oder womöglich gänzlich neue zeigen.

Kontraindikationen: Autoimmunkrankheiten wie z.B. Morbus Crohn, SLE oder rheumatoide Polyarthritis können sich durch eine Immunstimulation verschlimmern. Auch bei Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen wie Leukämien oder HIV ist der Einsatz von immunstimulierenden Phytopharmaka auf jeden Fall mit den behandelnden Ärzt/innen abzuklären. Ebenso bei einer immunsuppressiven Therapie (z.B. mit Cortison oder Zytostatika). Nach Organtransplantationen kann eine Abstoßungsreaktion begünstigt werden.

 

Vitamine und Spurenelemente.

Klar, nichts geht über eine ausgewogene, vollwertige, Frischkost-reiche Ernährung! Leider setzt die aber genügend Zeit voraus für Planung, Einkauf, Zubereitung, bewussten und genussvollen Verzehr sowie anschließende Abfallbeseitigung. Vom Abwasch ganz zu schweigen. Kurz gesagt, manchmal ist das einfach nicht zu schaffen. Gerade im Winter, der ohnehin anfälliger für Mangelsyndrome macht, kann daher eine gezielte Substitution durchaus sinnvoll sein. Dabei geht es vor allem um die üblichen Verdächtigen:

  • Vitamin A, C und E. Alle drei sind Antioxidantien, beugen damit nicht nur Krebs vor, sondern schützen auch Haut und Schleimhäute vor akuter Reizung und chronischen Alterungsprozessen durch freie Radikale. Vitamin A fördert zudem gezielt die Regeneration von Haut und Schleimhäuten. Vitamin C hat unzählige Funktionen. Am bekanntesten ist es für seine immunstimulierende Wirkung, daneben stabilisiert es auch Bindegewebe und Gefäßwände. Optimalerweise sollte es nicht als reine Ascorbinsäure sondern im Komplex mit Bioflavonoiden eingenommen werden.
  • Vitamin-D-Hormon. Insbesondere das Vitamin D3 ist zurzeit ein überaus populäres Thema. Vermehrte Messungen des Blutspiegels ergeben, dass eine beunruhigend große Anzahl Menschen eklatant erniedrigte Werte zeigen. Was möglicherweise daran liegt, dass wir uns einerseits viel zu wenig im Freien aufhalten. Denn unsere Haut benötigt UV-Licht, um Vitamin-D-Hormon zu produzieren. Zum anderen wird diskutiert, ob vielleicht eine permanent zu hohe toxische Belastung von Leber und Nieren die körpereigene Produktion in diesen Organen behindert. Wie auch immer, eine Substitution scheint nicht nur sinnvoll, sondern wird selbst von der DGE ausdrücklich empfohlen. Auch Vit.D hat vielfältige Funktionen, unter anderem ist es elementar für die Kalzium-Aufnahme aus der Nahrung und damit für die Stabilität der Knochen. Außerdem wirkt es immunmodulierend und antidepressiv. Die gleichfalls gerade sehr populäre Kombination mit Vitamin K2 unterstützt insbesondere den Knochenaufbau, ist aber wegen ihrer Wechselwirkungen mit etlichen gerinnungshemmenden Medikamenten im Vorfeld unbedingt gründlich abzuklären.
  • Zink. Unterstützt die Regeneration von Haut und Schleimhäuten.
  • Selen. Ist anti-oxidativ wirksam und unterstützt generell Heilungs- und Entgiftungsprozesse.

Vorsicht! Die Dosis macht das Gift! Grundsätzlich kann man alles überdosieren. Die vorwiegend in der Leber gespeicherten fettlöslichen Vitamine A,D und E sowieso. Aber auch das wasserlösliche, nicht speicherbare Vitamin C kann bei Überdosierung zu Durchfällen und Nierensteinen führen. Daher unbedingt die Dosierungs-Anweisungen auf den Beipackzetteln beachten! Und eine gesunde Skepsis gegenüber extremen Dosierungs-Vorschlägen bewahren. Die sind zwar vielleicht gerade „en vogue“ und möglicherweise auch bei der gezielten Behandlung schwerer Krankheiten hilfreich, als Prävention aber unnötig risikoreich. Viel hilft eben nicht immer viel! Ein bisschen mehr Vertrauen in unsere eigene erstaunliche Regenerations-Fähigkeit kann dagegen manchmal wahre Wunder bewirken…

 

Und zum Schluss noch ein besonders wichtiger Hinweis!

All das kann nützlich und hilfreich sein. Aber bevor wir losrennen, um wieder alles richtig zu machen, zur Apotheke, zum Reformhaus, zum Bioladen, alles Mögliche besorgen, Vitamin-Präparate, Heilkräuter, bergeweise frisches Obst und Gemüse, einfach alles, das unser Immunsystem und uns insgesamt noch effektiver macht, weil wir uns einen Ausfall zwar natürlich grundsätzlich nie, aber gerade jetzt erst recht nicht leisten können… Bevor wir also wieder mal losrennen, um unsere sowieso schon bis an die Grenze des Erträglichen strapazierte Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten, könnte etwas ganz anderes womöglich die bessere und letztendlich vielleicht sogar effektivere Idee sein:

  • Jede Menge Zeit zum Träumen!
  • Endlich mal richtig viel Schlafen!